Drehbuch/ Transkription zum Film

"Mit Gottvertrauen Bildung bauen"

 

Allgemeine Informationen über Familie Dudek:

 

 

Familie:

 

Eltern:

 Rosemarie (evangelisch erzogen) & Jürgen Dudek (katholisch erzogen)

Kinder:

Jonathan, 19 (1992)
Realabschluss 1,1 im Jahr ? als Klassenbester.

Lukas, 17 (1994)

Daniel, 15 (1996)

Jeremia, 12 (1999)

Noah, 9 (2002)

Jemima, 7 (2004)

Sulamith, 4 (2007)

Naemi, 0 (2011)


 

Filmaufbau/ Konzept:

 

Anfang:

 

Voiceover:

„Verborgen in einem kleinen Dorf im Hessischen Werra- Meißner-Kreis lebt Familie Dudek. Trotz der in Deutschland herrschenden Schulpflicht, unterrichtet das Ehepaar seine acht Kinder nun schon seit 12 Jahren selbst in ihrem kleinen bescheidenen Heim.
Man mag sich als Außenstehender die Frage stellen, wieso Eltern ihre eigene Karriere aufgeben und ihren Lebensstiel komplett umstellen, um sich dieser Aufgabe annehmen zu können. Hinzu kommt, dass Familie Dudek aufgrund der Verletzung der Schulpflicht kontinuierlich im Konflikt mit dem Staat steht, der Mittels Geld- und angedrohten Haftstrafen immer wieder versucht, die Eltern zum aufgeben zu zwingen.

 

  • Mit Gottvertrauen Bildung bauen

 

Handlung:

 

Jürgen

  • Schule ist ein Marktplatz für alle Arten von Werten, Ansichten, Meinungen. Und entsprechend ist das natürlich so etwas wie eine ‚Black Box’, ein Apparat, wo man überhaupt nicht weiß, wie der innen drin funktioniert. Man weiß nur, man tut etwas hinein, und hinten kommt etwas heraus. Und dieses Unbehagen hat uns dazu geführt, dass wir uns gefragt haben, welche Möglichkeiten haben wir denn?

Rosemarie

  • Unser Ältester Sohn Jonathan war ein dreiviertel Jahr in einer Privatschule, und das war dann so, dass mich öfters die Klassenlehrerin angerufen hatte und mir mitteilte, dass er etwas nicht verstanden hatte, und ich sollte doch bitte noch mal mit ihm die Aufgaben durchsehen.

Jürgen

  • Er wurde gemobbt, er war der Jüngste in der Klasse, er hat einen unmäßig langen Schulweg gehabt, und letzten Endes hat meine Frau mit ihm am Nachmittag alles aufarbeiten müssen, also so eine Art Mini-Hausunterricht ohnehin machen müssen, so dass wir uns dann gesagt haben, das ist wohl günstiger, wenn wir das gleich zuhause machen.

Jürgen

  • In diesen zwölf Jahren haben wir nicht einen Tag bereut, dass wir unsere Kinder zuhause unterrichten. Und wir als Eltern müssten doch am ehesten noch in der Lage sein, abschätzen zu können, ob das für uns ein gangbarer Weg ist oder nicht. Wenn Eltern ihre Kinder auf einem Weg führen, der für sie ganz offensichtlich sich sehr gut auswirkt, und der in keiner Weise hinter dem zurücksteht, was der Staat an den Schulen mit den Kindern macht: Wenn solche Eltern dennoch gezwungen werden, ihre Kinder auf die Schule zu schicken, ohne dass irgend jemand jemals hier nachgeschaut hätte, was passiert denn hier eigentlich?, obwohl wir bewiesen haben, dass das klappt, dennoch überzieht man uns mit einem Verfahren nach dem anderen.

Jonathan

  • In der ersten Klasse war ich das erste dreiviertel Jahr auf einer christlichen Privatschule. Ich war der Jüngste in der Klasse, von daher hatte ich auch keinen leichten Stand in der Klasse. Dazu kamen noch lange Busfahrten, die mich sehr geschlaucht haben. So war es schon eine Erleichterung für mich, als ich dann von meinen Eltern aus der Schule genommen wurde.

Jürgen

  • Es gibt kein Kind, dass nicht irgendwie eine Begabung hat – in irgendeiner Richtung, oder Begabungen. Und der Schlüssel zu diesem Potenzial ist immer Sensibilität. Und Sensibilität ist etwas, für das es an der Schule keinen Raum gibt. Es ist einfach so. Schule ist eine Kollektivveranstaltung. Da ist die Sensibilität des einzelnen nicht so gefragt. Wenn die Freiheit, dass die Kinder ihre Begabung, ihr Potenzial in einem Umfeld entfalten können, das darauf Rücksicht nimmt, das das wirklich individuell fördert, dann würden wir ganz andere Ergebnisse haben.

Rosemarie

  • Ich denke mal, dass Schüler in der Schule sehr viel hören, gerade durch Mitschüler, durch Gleichaltrige, was nicht gerade guten Einfluss auf sie ausübt. Das mit dem Sexualkundeunterricht ist meiner Meinung nach Sache der Eltern, die Kinder mit diesen Dingen zu konfrontieren.

Jürgen

  • Wenn ein Kind vor der Pubertät mit diesen Dingen konfrontiert wird, hat es das Interesse gar nicht, und zum anderen bekommt es dann einen anderen Schwerpunkt, eine andere Gewichtigkeit. Dann fragt es sich schon: „Was ist denn daran, dass ich schon so früh damit konfrontiert werde?“ Und auch in der Pubertät gibt es sicherlich Unterschiede, wie man ein Kind damit konfrontiert: Ob man es als eine Spiel- und Spaßveranstaltung darstellt, als eine Genussveranstaltung, wo es rein um den eigenen Genuss geht, um die Triebbefriedigung, oder ob es um etwas geht, das eine sehr wertvolle Sache ist, die uns geschenkt worden ist, die der Schöpfer in den Menschen gelegt hat, und für die es Verantwortung braucht, um damit umzugehen.

Rosemarie

  • Das erste Ziel für uns ist, dass wir in den Himmel kommen. Und dann: wie erreiche ich dieses Ziel? Ich meine, dass es einem Kind nicht gerade leicht gemacht wird, wenn es sich in einer Umgebung aufhält, wo kein Bewusstsein für diese biblischen Grundsätze da ist.

Jürgen

  • Wir erziehen unsere Kinder darin, dass sie ihrem Schöpfer ihr Vertrauen geben. Und der Schöpfer ist gleichzeitig auch ihr Erlöser, und ihr Richter. Und das ist der christliche Glaube. Der uns überliefert worden ist. Den wir Eltern, jeder von uns, für sich persönlich angenommen hat durch eine persönliche Bekehrung, und den wir als erlösend, befreiend, wunderbar erneuernd erfahren haben. Warum sollten wir das nicht unseren Kindern weitergeben? Aber immer mit dem Wissen, dass das eine ganz freiwillige Angelegenheit ist. Dazu kann niemand gezwungen werden. Wir sind auch nicht dazu gezwungen worden.

Rosemarie

  • Ich hatte immer den Eindruck, dass man mich in der Schule meiner kostbaren Zeit und meiner Freiheit beraubt. Ich habe es als so etwas wie ein Gefängnis empfunden. Und wenn ich damals gewusst hätte, dass es auch die Möglichkeit, zuhause unterrichtet werden zu können, dann hätte ich mir das für mich selber sehr gewünscht.

Jürgen

  • Heute weiß ich, was ich alles in der Schule verpasst habe. Aber nicht einfach verpasst, weil der Lehrer nur schlecht war oder weil ich dumm war oder faul war. Nein, einfach verpasst, weil ich abgelenkt war. Durch den Wunsch, woanders sein zu wollen. Der tatsächliche Unterricht war bei mir längst nicht so fruchtbar, wie er hätte sein können, und wie ich heute erfahre, wie er bei unseren Kindern ist, wenn sie in einer anderen Lehr- und Lernumgebung aufwachsen.

Lukas

  • Ich vermisse nicht, dass wir keinen Fernseher haben, zum einen, weil ich den Fernseher nicht als eine ergiebige Informationsquelle sehe, ich sehe es nicht als eine Bereicherung an, ich weiß, dass ich meine Zeit viel sinnvoller verbringen kann.

Lukas

  • In meiner Ausbildung als Mechatroniker bin ich ja mit anderen zusammen, also nur unter anderen, auch mit Gleichaltrigen. Und in meiner Freizeit bin ich größtenteils einfach zuhause, weil ich sehr gerne Klavier übe. Und das mache ich viel in meiner Freizeit. Und wenn wir sonst etwas unternehmen, dann ist das meistens auch in der Familie.

Daniel

  • Also, mein jüngerer Bruder und ich, wir gehen zur Jugendfeuerwehr, und in den Schwimmverein. Und ich gehe auch noch ins Orchester, zur Musikschule in Eisenach. Also, es hält sich eher im Rahmen, dass wir etwas mit anderen Leuten machen.

Lukas

  • Ja, wir haben natürlich schon auch andere Freunde, aber die sind jetzt nicht in direkter Nähe. Deshalb kommt das jetzt nicht jedes Wochenende vor, dass wir die treffen. Deshalb ist es dann eher so, dass wenn wir mal zum See fahren oder baden gehen, das ist dann mehr unter uns.

Jonathan

  • Aber dann sind wir auch schon fünf Jungs, das reicht ja eigentlich schon.

Jonathan

  • Für unsere Altersgenossen scheint ja Partygehen eins der wichtigsten Dinge im Leben zu sein. Na gut, wir haben’s damit nicht ganz so. Was heißt, wir haben’s damit überhaupt nicht, weil wir keinen Sinn darin sehen, sich da voll laufen zu lassen, die Ohren kaputt machen zu lassen.

Jürgen

  • Es gibt da so etwas, wie einen Reflex, wenn es um Hausunterricht geht. Dann wird man sofort gefragt, was ist mit der Sozialisation. Und dabei spielt dann immer mit, so ein bisschen die Sorge, dass den Kindern da ja etwas fehlt. Dass sie irgendeinen Nachteil haben, weil sie nicht das schulische Miteinander erfahren. Und da sagen wir: "Ja, unsere Kinder sind anders, das ist richtig" Aber ist das ein Nachteil? - Ich glaube nicht, absolut nicht. Es sei denn, wenn man die Gleichschaltung als etwas absolutes setzt, das alle erfahren müssen. Und da sehen wir das für unsere Kinder auf jeden Fall als einen Gewinn, dass sie diesem Gleichschaltungsdruck oder diesen Anpassungsdruck eben nicht ausgesetzt sind. Und das dann auch noch über viele Jahre. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein junger Mensch, wenn er sich frei nach seinem Tempo entfalten kann noch seine eigenen Leistungen und seine eigenen Potenziale ganz anders freisetzen kann, als jemand, der von Anfang an in ein ganz bestimmtes Muster gedrückt wird und in eine ganz bestimmte Schablone passen muss.

Jonathan

  • Ja, im letzten Sommer, also Sommer 2011 haben wir eine Fahrradtour unternommen, wir sind am Bodensee gestartet, in Lindau und dann über die Alpen gefahren, durch Norditalien durch, bis ans Mittelmehr. Ja wir wollten schon von Vornherein irgendwie dass ... einen Film daraus machen, wussten aber nicht genau, wie und dann haben wir während unserer Fahrradtour einfach so mal Filme gemacht mit der Kamera und mit dem Handy und Fotos, so viele Fotos aufgenommen, wie möglich und als wir uns dass dann zu Hause angeschaut haben, dann wollten wir das unbedingt zu einem Film verarbeiten, weil uns das noch ... im Nachhinein noch so gut gefallen hat. Was mich erstaunt, wenn ich das so im Nachhinein betrachte ist, dass wir vor drei Jahren noch gar nicht hier, in diesem Haus die Möglichkeit hatten, einen Film abzuspielen und jetzt sind wir schon dabei, einen Film zu machen. Das ist einfach ein enormer Fortschritt und das zeigt auch, dass ... dass durch Hausschule durchaus ... ja Flexibilität und Dynamik gefördert wird.

Jeremia

  • Ja also, Nachmittags habe ich manchmal noch ein bisschen Hausaufgaben, aber die sind dann meistens auch schnell gemacht und wenn das Wetter dann trocken ist, fahre ich Mountainbike, oder ansonsten spiele ich Trompete. Ich habe auch mehrere Brieffreunde, da schreibe ich dann manchmal noch Briefe zu schreiben, Ich lese auch viel. Ja und im Frühjahr oder im Sommer, wenn das Wetter gut ist, dann spiele ich auch öfters mit meinen Geschwistern Fußball.

Lukas

  • Für mich ist es nicht zu viel, hier in der Familie zu sein. Weil, ich bin ja auch einen Großteil des Tages nicht hier, sondern bei meiner Ausbildung. Und sonst sehe ich die anderen auch nur bei den Mahlzeiten.

Jonathan

  • Ja, es ist überhaupt schön, eine Familie um sich zu haben, die eine so eine Struktur für den Tag gibt. Außerdem kann ich mich an meinen kleinen Geschwistern erfreuen.

Rosemarie

  • In Deutschland ist es besonders wichtig, dass man einen Abschluss hat. Und da hoffe ich auch, dass das weiterhin möglich ist, dass wie unsere beiden ältesten unsere Kinder ein Schulabschluss machen können. Und dass sie dann, so, wie sie es sich selber wünschen, sich dann weiterbilden oder eine Berufsausbildung machen.

Jürgen

  • Am liebsten wäre es uns natürlich schon, dass wir auf diese Weise unsere Kinder unterrichten, wie wir das bisher die letzten zwölf Jahre gemacht haben – aber eben ohne solche Drangsalierung durch die Behörden.

Rosemarie

  • Jetzt haben wir ja diesen Beweis nach vielen Jahren erbracht, dass die Kinder eine gute Schulbildung bekommen bei uns zuhause durch ihre schulischen Abschlüsse und die guten Ergebnisse, und trotzdem werden wir genauso bestraft wie in den Jahren davor, als wenn das nichts zur Sache tun würde, die erbrachte Leistung. Und das zeigt doch, das es nur um die Erfüllung eines Gesetzes geht, um die buchstäbliche Erfüllung, und dass es gar nicht wirklich um die Kinder geht, um das Wohl der Kinder.

Jürgen

  • Hier steht, sie würden aufgrund ihrer verfestigten Auffassung auch weiterhin ihre Kinder zuhause unterrichten. Es ist nicht ersichtlich, inwieweit sich diese Umstände ohne Freiheitsstrafe ändern sollten. Sie würden vielmehr ohne Freiheitsstrafe bei ihrer Meinung bleiben – es ist ja nur eine Meinung – und auch die letzten drei derzeit noch nicht schulpflichtigen Kinder der Schulbesuchspflicht entziehen. Dann hätte die Familie mit sieben Kindern am Gesetz vorbei während der gesamten Schulpflicht die Kinder zuhause unterrichtet. – Was für ein Unrecht! Und das macht das Maß ihrer Pflichtwidrigkeit, wie gesagt, erheblich. Usw. Und deshalb muss eine Freiheitsstrafe unbedingt verhängt werden.

Jonathan?

  • Also, ich war ja das letzte Halbjahr der zehnten Klasse auf einer staatlichen Schule. Und da habe ich dann den Unterschied zum Hausunterricht kennengelernt. Und da habe ich dann schon gesehen, dass ich zuhause sehr viel effektiver gelernt habe und meine Zeit da besser habe nutzen können. Und darüber bin ich froh, dass ich sozusagen meine Jugendzeit gut ausgenutzt habe.

Jürgen

  • Wir haben ja von Anfang an uns gedacht, dass wir einen Stundenplan brauchen. Und diesen Stundenplan haben wir erstellt, den erstellen wir für jedes Jahr neu, aber das ist auch nur so etwas, wie ein äußeres Gerüst. Und wie wir das jetzt füllen, das ist doch dann der jeweiligen Situation ... das ist jedem Tag im Grunde genommen überlassen, auf welche Weise wir da vorgehen, wir wissen halt nur, dass wir für jeden Tag eine bestimmte Anzahl von bestimmten Fächern bearbeiten. Und das haben wir uns dann so aufgeteilt, dass meine Frau Biologie gemacht hat, bis zur 7. ... 8. Klasse ... von dem Zeitpunkt aus haben die Schüler das dann auch selbstständig fast übernommen. Und meine Frau unterrichtet noch Musik, das ist auch ein sehr wichtiges Fach für uns, denn ohne eine musikalische Ausbildung, können wir uns so eine solche Erziehung uns Bildung gar nicht vorstellen. Und dann unterrichtet meine Frau noch Französisch. Und die anderen Fächer, die da noch dazukommen: die klassischen Fächer, die habe ich dann übernommen. Im Grunde genommen von Anfang an, hatten wir diese Aufteilung und das hat sich bisher auch ganz gut ... als ganz gut erwiesen.

Jürgen

  • Als ich selber auf der Schule war, da habe ich in Mathe an irgendeinem Stück einfach abgehängt. Das war dann zu schwer, war zu viel für mich und ich hätte nie und nimmer gedacht, dass ich mir da ganze Bereiche, die sich mir einfach verschossen hatten, dass ich die auf diese Weise, wenn wir hier zu Hause das machen und das durchgehen, noch mal ganz neu erschließen kann und zwar auf eine Art uns Weise, dass ich das dann sogar anderen weitergeben kann, wo ich das selber, vor ein paar Jahren noch erstmal gar nicht zusammen gebracht hätte, also in sofern profitiere ich selber auch davon, dass ich den Kindern Inhalte weitergebe, weitergeben möchte, die sie dann auf diese Weise für ihren Abschluss brauchen zum Beispiel.

Lukas

  • Also, wir haben zuhause auch Zeugnisse bekommen, am Schuljahresende. Das  war, ja, das war nicht immer ganz so spannend, wir wussten schon, wo’s langgeht ...

Daniel

  • ... in den tieferen Klassen nicht so sehr, da waren wir immer ganz aufgeregt.

Lukas

  • Also, ich fand es immer schön, zuhause zu lernen, ich habe die Freiheit genossen, zuhause zu lernen. Es war schön, die Geschwister und den Hund um sich zu haben, die familiäre Umgebung. Und ich konnte zuhause den Lernstoff auf eine recht freie Art lernen und mir auch selber beibringen.
  •  

Jonathan

  • Also, erst mal muss ich sagen, dass es eine sehr wichtige Erfahrung für mich war, zusammen mit meinen Eltern diesen Stoff aufzubauen. Dadurch habe ich auch erst eine richtige Beziehung zu meinen Eltern bekommen, was mir dann auch geholfen hat, von meinen Eltern zu lernen. Und natürlich ist das auch eine schöne Sache, frei lernen zu können, ohne jetzt einen solchen Zwang dahinter zu haben, dass man den Stoff auf jeden Fall verstehen muss, dass man da im Tempo des Lehrers mitziehen muss. Das ist einfach schön, wenn man seine Bücher rausnehmen kann und sagen kann: So, jetzt mache ich dieses Fach; und jetzt schaue ich mal, was ich hier noch dazu finden kann und dort. Ja, das hat mir einfach Spaß gemacht.

Jürgen

  • Die Schulgesetze aller Bundesländer geben es her, dass Hausunterricht stattfinden kann. Denn es gibt Ausnahmen. Es gibt Ausnahmen, die erlaubt werden – es muss nur politisch gewollt sein. Der Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt, den Deutschen wird zweimal das Rückgrat gebrochen: Einmal an der Schule und einmal im Militär. Und da das Militär jetzt weggefallen ist, das passiert, das kann sein, das war damals nicht vorstellbar, das Militär ist einfach weggefallen, obwohl das Militär eine solch dominierende Rolle gehabt hat – im alten Kaiserreich und auch später noch. Warum sollte nicht der Schulzwang eines Tages auch einfach wegfallen?

Jürgen

  • Also, eine Lösung könnte auf jeden Fall so aussehen, dass eine Ausnahme bewilligt wird. Dass eine Ausnahme bewilligt wird für Eltern, die sich in der Lage sehen, ihr Kind, ihre Kinder selber zu unterrichten, dies aber auch tatsächlich tun. Und die große Sorge, die immer als ein großes Schreckgespenst an die Wand gemalt wird, dass dann so und so viele Eltern oder Familien ihre Kinder zuhause behalten und dann zum Teppichknüpfen oder sonst wie verwahrlosen lassen, ist völlig unbegründet. Denn, das weiß man auch, es sind doch in der Regel Eltern, die bildungsambitioniert sind, die Eltern, die ihre Kinder tatsächlich zuhause unterrichten würden. Und die anderen sind eher froh, dass ihre Kinder vormittags und dann nachmittags "aus den Füßen sind".

Rosemarie

  • Ich meine, es ist nicht schwer, das zu kontrollieren, zumal es bestimmt nicht sehr viele sein werden, die ihre Kinder zuhause unterrichten. Und ich denke, der Aufwand ist nicht zu groß, das auf diese Weise zu regeln.

Jürgen

  • Meine Überzeugung ist, dass Hausunterricht Längen jedem anderen Bildungskonzept überlegen ist. Auch gerade in dieser wichtigen Frage der Sozialisation. Wer trägt denn die Verantwortung für die Bildung und Erziehung der Kinder? Und wer kann dieser Verantwortung und dieser Verpflichtung am besten nachkommen? Unserer Auffassung nach sind das die Eltern. Das müssen nicht alle Eltern, das könne nicht alle Eltern sein, das ist klar. Aber unser Staat müsste den Eltern, die sich das zutrauen, und die das gerne möchten, diese Freiheit geben.

Rosemarie

  • Vor zwei Jahren sind mein Mann und ich zu je drei Monaten Gefängnisstrafe verurteilt worden, ohne Bewährung. Und da habe ich gedacht, dass ich lieber für drei Monate ins Gefängnis gehe, als dass meine Kinder ein jahrelanges Gefängnis besuchen müssen. Das wäre ich jedenfalls bereit gewesen, auf mich zu nehmen.

Jürgen

  • Am ersten Tag nach den Sommerferien lag ein Brief bei uns im Briefkasten: Neuer Strafantrag, auf genau dieses Ziel ausgerichtet: Gefängnis. Das heißt also, das Schulamt hat erkannt, es gibt Gefängnis. Und es zögert nicht, einen weiteren Strafantrag zu stellen. Und da haben wir nicht den Eindruck, dass das Schulamt in irgendeiner Weise bereit oder bemüht ist, uns entgegenzukommen oder zu fragen, was denn eigentlich hier los ist. Im Nachhinein gab es sicherlich immer wieder sogenannte Gesprächsangebote. Aber bei all diesen Gesprächsangeboten lief es darauf hinaus, immer wieder: dass wir letzten Endes unsere Kinder doch in eine staatliche Schule geben. Es war gar keine andere Art und Weise des Unterrichts denkbar. In keiner Weise. Das Schulamt war in keiner Weise bereit, unsere Schule sozusagen unter dem Dach einer anderen, angemeldeten Schule fungieren zu lassen. Das hatten wir auch wiederholt angeregt. Auch dazu war man nicht bereit. Das heißt, keinen Millimeter möchte der Staat von seinem Schulzwang in seinen staatlichen Schulen abgehen.

Jürgen

  • Es gab ja schon verschiedene Bemühungen, uns als Familie auf diesem Weg zu "stören", sagen wir einmal ganz einfach. Man hat ja auch schon das Jugendamt auf uns angesetzt. Das mit dem von-der-Polizei-abholen hat man wohl aus irgendwelchen Gründen hintenangestellt, aus irgendwelchen Gründen. Das hat man uns sogar vom Schulamt indirekt signalisiert, dass man das nicht möchte. Ich vermute einfach, das macht sich öffentlich nicht so gut, dass man Schüler mit Polizeigewahrsam abholen lässt. Das ist ja auch schon in Süddeutschland geschehen und das hat einen ziemlichen Aufruhr in der Bevölkerung ergeben. Ein solches Verhalten, wenn das öffentlich wird, geht das wohl eher nach hinten los für die Behörde selbst.

Lukas

  • Also, ob ich später meine Kinder selber unterrichten würde, kann ich jetzt noch nicht sagen. Aber ich würde es meinen Kindern sehr wohl wünschen, so wie ich gelernt habe, lernen zu können. Weil ich das als die schöne Art sehe zu lernen und aufzuwachsen.

Jonathan

  • Was ich meinen Kindern am meisten wünschen würde ist, dass sie auf das Leben richtig vorbereitet werden. So wie ich auch auf das Leben hier zuhause vorbereitet wurde. Und dazu gehört einfach, dass das Kind durch eine Beziehung im Charakter geschult wird und zu einer Grundlage kommt, zu einer festen Basis, von der aus es in das Leben gehen kann. Aus diesem Grund würde ich auf jeden Fall meine Kinder zuhause unterrichten wollen: Einfach, weil ich ihnen das Beste für ihr Leben mitgeben möchte.

 


 

Ende:

Voiceover:

Warum darf Familie Dudek nicht selbst über das Schicksal ihrer Kinder entscheiden?
Wieso wird das Homeschooling in Deutschland nicht legalisiert, obwohl es sich in anderen Ländern so bewehrt?
Mit welchen Maßnahmen muss Familie Dudek in Zukunft rechnen?

 

Das Schulamt Bebra lehnte ein Interview zum Fall Dudek ab, da die Familie ihren Erfahrungen nach in Folge derartigen Äußerungen zusätzlich durch die Öffentlichkeit bestärkt würde und man die Angelegenheit nicht unnötig aufwerten möchte. Man wies uns mit der Aussage zurück, dass man lieber Ruhe in den Kasus bringen möchte. Laut Vertretern der Behörde gäbe es noch viele andere Homeschooling-Familien in Deutschland, deren Fall aber nicht an die Öffentlichkeit gekommen ist.